blumenleere ◄
klingt paradox. laesst sich aber, indem wir unsere perspektiven geringfuegig modifizieren &, darueber hinaus, ein kleines bisschen abstand davon nehmen, saetze beziehungsweise schriftliche aussagen wie mathematische gleichungen – die sowohl vollkommen abstrakt sind als auch ein moment voelliger gleichzeitigkeit implizieren – zu betrachten, dahingehend mit bedeutung fuellen, dass uns der titel ploetzlich durchaus einleuchtend sinn macht.
beschreiten wir hierzu den dementsprechend einfachsten weg, den der linearitaet & chronologie – einen pfad fluider sequenzialitaet –: wir lesen von einer richtung zur anderen hin – das zuerst wahrgenommene findet, & falls es sich auch lediglich um den mindesten bruchteil eines augenblicks handle, vor dem danach rezipierten statt. schritt fuer schritt heiszt das, wir sehen was, & da wir nie je zu hundert prozent uebereinstimmen mit uns koennen, sieht unser mitterweile mittels unsres fortschreitens chronisch transformiertes wir das vorhergegangene was nicht mehr.
bedingt unverfaenglich beim vorliegenden beispiel verbleibend, nihilieren wir dadurch tendenziell die option der absolut simultanen aufnahme der elemente einer aneinanderreihung von worten. & selbst wenn dieselbe noch relativ knapp wirkt, stimmt das soeben umrissene ja offensichtlich, das zweite was kongruiert par exemplum nicht mit dem ersten, es stellt lediglich einen rueckbezug her, &, weiterhin auf optischem terrain improvisierend, fokussieren unsere augen das neue wir sowie, bald, nicht sehen.
wohin, jedoch, soll ein solcher auftakt uns denn ueberhaupt fuehren, welche denkanreize mag er uns bieten oder gar recht forsch aufdraengen? schlicht & ergreifend: unsere blickwinkel & sichtweisen balancieren waghalsig auf ausgesprochen wackeligen fundamenten, derweil wir letztere, unserer gewohnheiten, ueblichkeiten, konventionen & normen, unserer praegungen & zwaenge wegen, allzu gern fuer unglaublich stabil halten moechten & zig unserer zwiste & missverstaendnisse explizit just darauf beruhen. auf unseren uns laengst intrinsisch verankerten unfaehigkeiten naemlich, divergierende fuer gleichwertig respektive angemessener zu erachten & vielleicht in ihrer existenz ueberhaupt hinreichend zu akzeptieren. sprechen wir von weltbild – einer dogmatischen suggestion hermetisch anmutender geschlossenheit & einzig richtigem – haetten wir eigentlich sofort lauthals aufzuschreien &, analog zum hier vonstattengehenden ansatz, den plural zu praeferieren, ergo von weltbildern zu sprechen, unabhaengig des umfangs der menge saemtlicher gerade beteiligter personen. allein eine persona konsistiere schlieszlich aus quasi unendlichen uebergaengen, sprich, unendlich vielen verschiedenen entitaeten, die wir ausschlieszlich der gangbarkeit halber groszzuegig gleich einer einzigen behandeln, & das blosz, weil sie sich selber gen identitaet – aha! – frappierend aehnelt. identitaet!, also; wovon die uns weiterleitende these nun konsequenterweise kuende: nicht sei je (voellig) identisch, mit sich. um dergleichen – die illusion totaler deckungsgleichheit – aufrechzuhalten, verharren wir, uns mutwillig wider ein natuerliches flieszen & zerflieszen spreizend, auf – hier bewusst gewaehlt, der erbaermliche, militaerische jargon der kriege & ruestungsindustrien – verlorenen posten: streit resultiere nicht selten aus ontologischer traegheit &, selbstverstaendlich, mitunter heimlich dahinter verborgenen, bisweilen offen zur schau getragenen affekten & kalkuelen samt damit einhergehenden machtspielen & strategien zur instrumentalisierung sich entfaltender informations- & kraefteungleichgewichte fuer eigene vorteilnahmen.
denken wir jetzt, demgegenueber, wiederum an die eingangs erwaehnten formulierungen zurueck, an unsere postulierte kontinuierliche stringenz & verwerfen wir ihren inhalt zugunsten eines komplexeren systems mit einer uns erschlagenden ueberfuelle asynchron & nicht kongruent, kausal nicht zwangslaeufig verknuepft stattfindender ereignisse, naehern wir uns, ex abrupto, zumindest minimal einem eventuell signifikant treffenderen – labyrinthischeren – emergenz transportierenden, epistemologischen modell – abbild – unserer realitaeten an. komplementaer stecke ein veritables mittel zur loesung & entbloeszung, demselben immanent, bereits im corpus delicti – ziehen wir es deswegen mal vorsichtig auseinander: welt-bild. grundsaetzlich klar duerfte hoffentlich sein, ein bild der welt repraesentiere die hypothetische welt zwar moeglicherweise – symbolisch –, doch kategorisch & unstrittig auf kosten mannigfacher dimensionen, bewegungen, facetten, differenzen, details, tiefen etc. etc. etc. ad infinitum – es ist nie die welt. ersetzen wir weltbild – weltbilder: dramatisch reduzierte projektionen unserer via internalisierungen ausgekleideten echokammern & black boxes – dahingegen durch das etwaig ehrlichere weltanschauung – weltanschauungen –, ergeben sich uns konstrukte, deren ihnen eingebaute kritik an ihren funktionen deutlich offensichtlicher effekte zeitigt, nichtsdestotrotz sie ebenfalls maximal eine prothese bilden, welche wir, insofern wir nicht intentional, gezielt konflikte heraufbeschwoeren, bezueglich der sie speziell ausmachenden aussagen & charakteristika, besser nicht zu wahrheit stilisieren.