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ausgabe #37. art_ist/s. evelyn schalk

Reflexion in Serie

Nina Maron


Nina Maron gibt sich nicht mit schnellen Blicken und dekorativ auf die Leinwand geworfenen Eindrücken zufrieden, wenn sie sich mit einem Thema beschäftigt, dann tut sie das gründlich, solange, bis es für sie „abgefrühstückt“ ist. Eine intensive Auseinandersetzung fordert sie auch von den RezipientInnen ihrer Bilder,  die tatsächlich über bloßes Betrachten hinausgehen müssen, denn ohne das Konzept, die Geschichte geht es bei Maron nunmal nicht. Ihre Bilder entstehen nicht im luftleeren, sphärisch-indefiniten Raum, sondern entwickeln sich in Serien. Ja, Nina Maron malt Bilderserien, arbeitet sich ab und Perspektiven auf – und lässt auch ihr Bilderpublikum am Entstehungsprozess teil haben, lässt es, zumindest partiell, hinter die Kulissen schauen und vermittelt so, wie ihre Arbeiten – und nichts anderes ist es als ein Arbeits- und vor allem Denkprozess, der damit offenbar wird – zu dem werden, was schlussendlich auf der Leinwand zu sehen ist. Gerade in Sachen Abstraktion ist ihr dieser Aspekt wichtig, holt sie damit doch auch diejenigen ins diskursive Boot, denen der Zugang zu ungegenständlichen Darstellungen kein selbstverständlicher – und selbst_verständlich ist dieser ja tatsächlich nicht – ist.

Gleichzeitig lässt sie den AusstellungsbesucherInnen aber auch keine Chance auszuweichen, den Blick vielleicht auf ein Bild zu heften, das dem/r jeweiligen vielleicht grade besser in den persönlichen Kram passt, genehmer ist. Stattdessen können sie ob der Serialität des Gezeigten gar nicht anders, als sich mit dem betreffenden Thema auseinanderzusetzen. 60 bis 70 Bilder malte die 1973 geborene Maron zu Beginn ihrer künstlerischen Tätigkeit, mittlerweile sind es immer noch 20 bis 25 pro Serie. Dahinter steckt auch ein Verweis auf jenen Diskurs-Aspekt, den die Pop-Art provokant zur Diskussion stellte, um Jahre später selbst dort zu landen, wogegen man anrannte – dem Originalitätsbegriff. Maron ist den nötigen Schritt konsequent weiter gegangen und verweist auf die Diskrepanz von geniekultigem Elitarismus und serieller Produktion und macht im selben Pinselstrich deutlich, dass diese die Individualität keineswegs ausschließt, sondern signalisiert vielmehr die Sichtbarmachung der dahinterstehenden Entwicklung inklusive ihrer gesellschaftspolitischen, kunstbetrieblichen und sozialen Faktoren. Dabei verweist auch sie ironisch auf medienbildliche Einflussnahme, erhebt diese ganz pop-artig ins Künstlerische und legt doch und gerade dadurch den dahinterstehenden Prozess offen.

Nina Maron verwehrt sich gegen jede Form von Eindimensionalität und Bruchlosigkeiten, mit beinah soziologischer Akribie decouvriert sie gesellschaftliche Prozesse der Entstehung, Verfestigung und Fortschreibung (bewusst wie unbewusst), sowie das gegenseitige Einander Bedingen von Zuschreibungen, Klischees, Vorurteilen oder Tabus – und verweist weiter auf die ihnen zugrunde liegenden Strukturen, Systematiken.

Porträts & Präsenzen

Wie diese den, vor allem die Einzelne(n) prägen, bestimmen, aber eben auch vergewaltigen oder allein lassen, davon handeln Marons Porträt-Arbeiten ebenso, wie sie intensiv und aufschlussreich die Wechselwirkungen von Individuum und Gesellschaft darstellen. „Das Thema der Nina Maron ist ein radikal menschliches: die Entstellung, die Verstellung, ja, die Vernichtung des weiblichen Menschen durch Äußerlichkeit, durch Dekor, “ so Peter Turrini über die Künstlerin. Porträts? Ja, Maron setzt Menschen, vor allem Frauen, wiederum vor allem Gesichter großformatig ins Bild. Und arbeitet mit jenen Vorlagen, die die mediale, schubladenfixierte Hochglanz(a)bo/r/(n)niertheit so liefert – oder eben nicht. Denn die Initialzündung für den Beginn jener Serie, die eine ihrer umfangreichsten werden sollte, den Rebellinnen, gab der Anspruch, bereits Porträtierten ein weibliches Pendant entgegen- bzw. gegenüber zu stellen, konkret dem fast omnipräsenten und durch seine Verkommerzialisierung Intention und Sinnhaftigkeit beraubten Foto Che Guevaras, jener Revolutionsikone der, die Maron zum Porträt Tamara Bunkes anregte, einer Guerillera, die wie Guevara in Bolivien kämpfte und starb, jedoch nahezu unbekannt blieb. Es folgten Bilder von zahlreichen widerständigen Frauen – Literatinnen, Wissenschaftlerinnen, Künstlerinnen, politischen Aktivistinnen u. v. m. (Charlotte Salomon, Ingrid Strobl, Rosa Luxemburg, Lou Andreas-Salomé, Valerie Solanas, Niki de Saint Phalle, Olympe de Gouge – um nur einige wenige zu nennen) –, die von der Öffentlichkeit entweder weitgehend ignoriert oder aber nur einseitig wahrgenommen wurden und werden. Medial bekannte Sujets stellen oft die Bezugsgrundlage von Marons Bildern dar, deren Einseitigkeit sie aber durch eine komplexe Auseinandersetzung mit der jeweiligen Persönlichkeit konterkariert. So sind eigene Serien zu Romy Schneider, Hedy Lamar aber auch Johanna Dohnal entstanden.

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 Aus der Serie: Romy, 2005

Aus der Serie: Hedy Lamar – Only naked, 2007

Den Schritt konsequent weiter geht sie mit Bandit Queen, jener Arbeitsserie, in der sie sich mit Phoolan Devi mit einer außergewöhnlichen Frau intensiv beschäftigt. Geboren in ärmsten Verhältnissen, ziehen sich Vergewaltigungen und Misshandlungen von Kind auf durch ihr Leben, denen sie sich schließlich als Anführerin einer Bande widersetzt, die einerseits Reiche beraubt und Armen gibt, andererseits Rache an den Tätern übt, die vom Gesetz und seinen Vertretern ungestraft bleiben. Als „Bandit Queen“ wird sie zur Legende und Heldin der Armen, sitzt elf Jahre ohne Verhandlung im Gefängnis, weil die Behörden fürchten, dann auch die Täter in den eigenen Reihen, jenen der Polizei und Justiz, benennen zu müssen, und wird nach ihrer Freilassung als Vertreterin der linken Samajwadi-Partei ins indische Parlament gewählt, wo sie sich vor allem für Frauenrechte einsetzt. 2001 wird sie von einem Cousin eines getöteten Vergewaltigers einer hohen Kaste erschossen. Ihre Biographie wurde bereits 1994 verfilmt, umstritten und von ihr selbst nie autorisiert.  Maron setzt sich äußerst differenziert mit Phoolan Devi auseinander. So stellen etwa Schriftelemente, die ihren Namen oder Teile davon zeigen, einen entscheidenden ästhetischen Faktor dar – Phoolan Devi selbst war Analphabetin. Aber auch die Darstellungsweisen variieren, wie die Bilder, die sich die Öffentlichkeit von dieser Frau macht(e): widersprüchlichen. Wobei sie gleichzeitig nicht ohne Schubladisierungen auskommen, das Verlangen nach Einordnung einer nicht kategorisierbaren Persönlichkeit bedienen und damit die Verhältnisse, die tatsächlich im Zentrum von Kritik und Aufmerksamkeit stehen müssten, machtpolitisch opportun aus der Analyse aussparen. Auch darauf weisen Marons Bilder unmissverständlich hin.

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Aus der Serie: Bandit Queen – Phoolan Devi, 2004

Nina Marons Porträts spiegeln diese Ambivalenz in Technik und Farbgebung wieder, reduzierte, flächige, aber nichts desto trotz präzise Formensprache, kontrastive Farbwahl und auf Geometrie verweisende, dieser jedoch offen_sichtlich zuwiderhandelnde Bildkompositionen sind charakteristische Merkmale ihrer Arbeiten. Immer wieder sind es Balken und Streifen, die sich durch die Bilder ziehen und darüber legen, Gesichter teilen, manchmal zerschneiden, dann wieder gerade dadurch erkennbar werden lassen. Bruchlinien, innere wie äußere, die Persönlichkeiten aber auch die Gesellschaften prägen, die sie auslösen und auf die diese letztlich wieder zurückwirken.

Apropos zurückwirken: Die Vernissage der Ausstellung fand am 11. September 2001 statt, trotz (vielleicht auch gerade wegen) allem kamen die Leute und diskutierten – sowohl über die aktuellen Ereignisse als auch die porträtierten Frauen und deren Geschichten, „nicht nur ich als Künstlerin stand im Mittelpunkt, vielmehr lieferten sich die Leute gegenseitig Informationen.“ Die Vernissage als Denk- und Kommunikationsort – eine Seltenheit im kunstbetrieblichen Schaulaufen der Eigennabelbespiegelung…

Marons Arbeiten sind ausdauernd und ungeduldig gleichzeitig, seit langem bestehende Erkenntnisse sollen und wollen endlich Gehör finden, die Wucht ihrer Werke fordert das Hinschauen und Sehen mit Vehemenz ein, lässt, trotz allen spielerischen Elementen, Ignoranz nicht mehr zu. „Man wird nicht als Frau geboren, man wird es“ („On ne naît pas femme, on le devient“.), so Simone de Beauvoir in ihrem Opus Magnum Das andere Geschlecht. Gerade dieses Gemacht-werden und -sein wird in Marons Bildersprache überdeutlich, diesbezügliche Fiktion, Illusion, „Natürlichkeit“ im Sinne von Unhinterfragbarkeit verweigert sie kategorisch, stattdessen setzt sie auf die Dekonstruktion derartiger Vorurteile und ihrer trügerischen Sicherheiten.

Daisy, Lucy, Minnie und Pink Panther

Comic-Motive bilden einen weiteren Fixpunkt im Maron’schen Bilderuniversum. Doch ganz so lieb und nett geht es entgegen dem ersten Eindruck auch hier nicht zu. „Zuschreibungen und Klischees werden bereits den Kindern eingeimpft – oder warum ist immer Mickey der gescheite Detektiv, während Minnie Maus ausschließlich mit ihrer Schönheit beschäftigt ist?“, ärgert sich die Künstlerin und setzt nach „Dabei war das in den ersten dieser Zeichnungen gar nicht so, da waren auch die Figuren selbst noch viel kindlicher, hatten ganz andere Funktionen.“ Dort setzt sie an – einerseits, und zeigt andererseits die sehr erwachsene Einflussnahme, witzig-ironische Daisy Dominas mit Peitschen oder Pistolen gehören zum Repertoire, ebenso wie Lucky Luke mit Lippenstift, transsexuelle Mäuse oder Mice Supersize. Aber auch Pink Panthers mit kaputten Nasen, roten Lippen Lockenwicklern und Staubsauger in der Hand bevölkern das Maroniversum.

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 Aus der Serie: Daisy Domina, 1999/2000 Aus der Serie: Lucky lipstick, 2002

  
 Aus der Serie: I shot the Sherrif, 2003 Aus der Serie: I’m killing in the rain, 2007/2008

„Es gibt eben mehr als nur ein Bild!“ Über die Bekanntheit der Sujets erzielt sie jene Aufmerksamkeit, die es braucht, um verknöcherte Zugänge hinterfragen und Stereotypen subversiv unterlaufen zu können. Klar regt sich da des öfteren Widerstand, weil das hübsche, bunte Maron-Bild plötzlich einen so vehementen „Störfaktor“ beinhaltet. Fragt sich, worin dieser dann eigentlich besteht…

Hinter den Fassaden

Hinterfragung von Bestehendem, scheinbar Vertrautem ist ihr so wichtig, wie der Schleier der heilen Welt trügerisch ist. Dies gilt insbesondere für jenen, oft tat_sächlich hermetisch abgeriegelten Bereich des Privaten, Familiären. Mit diesem hat sie sich vor allem in zwei Werksserien intensiv beschäftigt. 2008 gab es von Nina Maron eine der wenigen Ausstellungen zu sehen, die nicht Personen figurativ in den Vordergrund stellten, sondern Gebäude und Objekte. In Pink City näherte sie sich künstlerisch der Bewegung der Gulabi Gang an, einer mittlerweile zur Organisation angewachsenen Gruppe indischer Frauen, die sich gegen die häusliche Gewalt und patriarchale Macht ihrer Väter, Brüder, Ehemänner, aber auch von Polizisten und Beamten zur Wehr setzen, die wenn nötig, zurückprügeln und die nichts anderes haben als ihre gegenseitige Solidarität, die sie im Tragen pinker Saris ebenso zum Ausdruck bringen, wie sie ihre Häuser pink streichen und damit öffentlich ein Zeichen setzen. Das erfordert Mut – der sich jedoch bezahlt macht, aus 25 Frauen wurden tausende, die sich der Bewegung anschlossen. Diese Solidarisierung beeindruckte Maron und ihren Bildern der Pink Cities folgten gegipste, pinke Korsagen…

Aus der Serie:  Pink City, 2008

Doch das Recht auf den eigenen Raum, Freiraum, müssen nicht nur Frauen in weit entfernten Regionen erst erkämpfen. Auch in Mitteleuropa ist ein solcher trotz gegenteiliger Beteuerungen keineswegs eine Selbstverständlichkeit, im Gegenteil. Insofern ist es eine logische Fortsetzung, wenn  die Künstlerin auch in diesem Kontext mit der Verschränkung von baulichen und emotionalen wie gesellschaftsstrukturellen (Un)Freiheiten Zusammenhänge visualisiert, Schlaglichter auf die komplexe Verflechtung von Innen und Außen wirft. Nina Maron bat Freundinnen um Fotos eines Raums, der für sie den eigenen darstellt, und übersetzte diese 2009 in eine Bilderserie unter dem Titel A room of ones own, rekurrierend auf die berühmte gleichnamige Publikation Virginia Woolfs, erschienen 1929. Achtzig Jahre später kostet es Frauen noch immer Mut und Überwindung, einen eigenen baulichen, aber auch emotionalen Raum für sich zu beanspruchen. Und achtzig Jahre später gibt es wieder eine Wirtschaftskrise, die diesen Umstand des Zurücksteckens unter dem neoliberalen Sparpropaganda-Aspekt noch befördert. Marons Bilder zeigen fast ausschließlich leere Räume, wie sie sie sich auf den retournierten Fotos fanden, ganz im Gegensatz zum herrschenden Klischee, dass Kitsch und vollgestopfte Ecken frauentypisch seien (von wegen, bedeutet doch Freiraum Platz haben, für Körper und Gedanken) – präsent ist jedoch jeweils das Bild im Bild: das Porträt einer Frau, jenes der Autorin Virginia Woolf.

Aus der Serie: Room of ones own, 2009

Von TitelGebung und Schablonenrissen

Überhaupt sind die Benennungen der Serien entscheidende Bestandteile der jeweiligen Werke, oft zitiert sie Song- oder Filmtitel, eröffnet auch damit einen bekannten Raum, den ihre Darstellungen dann nicht selten gleichzeitig überzeichnen und unterlaufen.

So auch in More Me Less We, wo sich die Message überhaupt erst durch den Titel erschließt. Zu sehen sind Reminiszenzen an klassische Kuss-Szenen, sowohl filmische als auch auf der Leinwand (Klimt lässt grüßen). Die Konturen der Gesichter strukturieren das jeweilige Bild, die dieses auch gänzlich ausfüllen, da bleibt kein Raum mehr frei im quadratischen Rahmen, nur die Hand der Frau klammert sich, ganz zentral im Bild, an die Schulter ihres männlichen Gegenübers. Der Titel der Serie, in der lediglich Farbgebung und Nuancen in der figuralen Positionierung variieren, zusehends flächiger werden, einheitlicher als ohnehin schon reduziert, ist ein Ausbruch, die nachdrücklich-intensiver Aufforderung nach Freiraum und einem Ende des Mythos von totaler Zweisamkeit, die in wechselseitiger Umklammerung meist zu beider, aber letztlich immer zu lasten der Frau (aus)geht. Maron rennt provokant und unverblümt gegen eine der wohl am weitesten verbreitet und beschworenen gesellschaftlichen Normen an, die quer durch alle Medien als Glücksversprechen verkauft und uns von Kindesbeinen an eingetrichtert werden: jenes von der Liebe in form gänzlicher Hin- und Aufgabe, Selbstdefinition durch Fremddefinition (siehe: gemacht-werden…) vollständige Erfüllung, Lebenszweck (StichWort Natürlichkeit) im Kompromiss der Zweisamkeit, und gleichzeitig Rechtfertigung für die Hexenjagd, die gleich als Warnung für möglichen Widerspruch ausgetragen wird, auf all jene, die sich weigern, sich dieser Konvention zu unterwerfen. Klar, ist diese Widersetzung doch eine Weigerung, die dem Profitsystem Paarbindung einen Keil in die Flanken treibt, Kontrolle verweigert, Ressourcen freischaufelt, die Handlungsraum bieten, auf jeden Fall aber einem der grundlegendsten Konstrukten unserer Gesellschaft zuwider läuft und – dessen vermeintliche Naturgegebenheit negieren.

In Kummer Küche Kabinett stellt sie – und zwar unausweichlich erkennbar und uncodiert – die immer noch herrschende Dichotomie von Phantasie und Anspruch ans weibliche Rollenerfüllungsklischee gegenüber: Heilige und Hure, übersetzt Hausfrau und Diva, das das Frauenbild – im wörtlichen Sinn – seit ältester Zeit prägt und immer wieder neu aufgelegt wird. Im Kinderspiel, das das Erstarren auf Zuruf beinhaltet, manifestiert sich der Zusammenhang in perfider Perfektion. Die Folge spiegelt sich – unter anderem – im Serientitel, wo landet Frau mit der Erfüllung immer und immer noch? Kummer Küche Kabinett spielt mit plakativ-psychologischen Elementen und nimmt sie ernst. Traut sich, im Bild an- und auszusprechen, was in vier Wänden und öffentlichen Räumen noch immer vorhandene Entscheidungsgrundlage ist, weist aber auch auf die Bereitschaft zur Erfüllung derselben hin. Die Schablonenhaftigkeit der Stencil-Elemente macht die Folgen ebenso deutlich wie die Anwendung dieses dem Graffiti entlehnten Darstellungsmittels, die sichtbaren Bruchstücke des Titels verweisen auf den Faktor Konsum, Capitalism kills feat. Coca Cola

Aus der Serie: Kummer Küche Kabinett, 2008/2009

Mit Schablonen und Konsum hat Maron sich schon früher beschäftigt. In ihrer Studienzeit malte sie Unterwäsche von und auf der Stange, leuchtend rote, weiße… Stücke auf Kleiderhaken oder unsichtbaren Halterungen, dafür mit kontrastivem Hintergrund, Farbspurrinnen, durchbrochenen oder brechenden Körperschemen, die nur aber noch immer als Gussform existieren, deformiert und deformierend.

Mit Fruitless griff sie zu drastischen Mitteln und stempelte weibliche Körperteile explizit ab, allerdings ganz entgegen der ihnen üblicherweise entgegengebrachten Fortpflanzungsfixierung und damit –funktionalisierung mit genau dem gegenteiligen Attribut. Was aus einer solchen Fremd- oder Selbstdefinition folgt? Richtig, Abstempelung. …

 Aus der Serie: Fruitless, 2006 

Aus der Serie: Your smile is our job, 2007 

Derzeit arbeitet Maron an einer für sie eigentlich atypischen Serie, eine Reihe von „Waldbildern“ ist im Entstehen begriffen, zwischen dem monotonen Grün der Bäume findet sich irgendwo ein kleines Mädchen, auch mal im Fenster einer Hausfassade sieht man die fragile Figur wieder, die als einzige die sie umgebende Gleichförmigkeit unterbricht.

 

Evelyn Schalk

Mehr von und über Nina Maron auf: http://www.maron.cc

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