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art_ist/s. aktuelles. evelyn schalk


österreichische medien nach richten

 

Gefakete Ausgaben der New York Times oder der Zeit sorgten international  bereits für Aufsehen – nun hat auch Wien die Zeitung bekommen, die  Österreich verdient. Und zwar als Persiflage jenes Genres, das den Informationsstand von über der Hälfte der Bevölkerung dieses Landes bestimmt – oder sagen wir besser: zu verantworten hat. Die Österreichischen Nachrichten karikieren Stil und Inhalt von Krone und Heute, mit einer Mischung aus tatsächlichen und erfundenen Meldungen, die auf der ganzen satirischen Klaviatur spielt, die es aufzubieten gilt, um verselbstverständlichten Rassismus, Sensationsgier, ideologische Desinformation, eingefahrene Vorurteile, institutionalisierten Rechtsextremismus, Österreich-Idyllisierung, Provinz- und Star-Kult, PR-Ideologien und was sonst noch alles an Inakzeptablem, aber täglich Akzeptierten die österreichischen Seelen, Zeitungsseiten und Geldbörsen füllt, subversiv vorzuführen, zu verkehren und nach Kräften gegen den Wind ungereimt ins Bewusstsein der LeserInnen zu hieven. Konzipiert und umgesetzt wurde dieser heroische Versuch im Rahmen des heurigen Kunst- und Kulturfestivals Soho in Ottakring[i] von Hansel Sato, der seit 12 Jahren in Wien lebt und als bildender, aber nichtsdestotrotz sprachaffiner und –sensitiver Künstler mit peruanisch-japanischem Background in seinen Arbeiten Vorurteile und Zuschreibungen kritisch hinterfragt. (Siehe:  http://ausreisser.mur.at/online_art/art_ist-s-mind-migration)  Mit dem sprichwörtlich schwarzen Humor der Bundeshauptstadt weiß er bestens umzugehen, ortet er doch Parallelen zu jenem seines Geburtslandes Peru. Feldforschung hat er  im Wiener Untergrund betrieben, genauer gesagt und naturgemäß in den U-Bahnen. Dort hat er das Leseverhalten der Fahrgäste beobachtet, die zumeist morgens auf dem Weg zur Arbeit die gedruckt durch die Gänge flatternden Nachrichtenhappen konsumieren – in einem Zustand, der noch zwischen Schlafen und Wachen oszilliert, und in dem die dargebotenen Brocken ohne Reflexionsumwege ins (Un)Bewusstsein eingespeist werden. (Klar, wer zieht sich sowas schon rein, wenn er ganz bei Sinnen ist?) Subversion wäre nicht Subversion, würde man sich solche Gewohnheiten nicht zunutze machen. Entsprechend verteilte auch Sato mit seinem Team seine Österreichischen Nachrichten  – „was sind schon 10.000 Stück gegen 3,3 Millionen?“[ii] – u.a. morgens an den Eingängen zu den U-Bahn-Stationen – denn wer schaut schon so genau, was er/sie da in die Hand und aufs Auge gedrückt bekommt? So manche/r dürfte kurz darauf bei der Lektüre tatsächlich wach geworden sein – und die anderen dämmern wohl Heute noch vor sich hin.

 

Evelyn Schalk

 

Aber am besten überzeugt man sich selbst von diesem Medium, das in perfekter Interaktion von Bild und Text auf weitaus breitere (tiefer gehendere sowieso) thematischer Vielfalt verweisen kann, als seine beiden großen kleinen Vorbilder:

http://www.hanselsato.com/projekte/OsterreischeNachrichten.html

 

hansel sato aktuell1

                   hansel sato aktuell 2


[i] Soho in Ottakring 2010: Kick the Habit. Ventil Rassismus. 8. – 22. Mai 2010: http://www.sohoinottakring.at/2010/

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