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ausgabe #7. editorial. evelyn schalk



editorial

gültigkeitsanspruch


Dass alle Menschen gleich sind, besagt ein weltweit gültiges Papier, das - obwohl in jedem Land gleich gültig - so vielen gleichgültig ist.

Gewalt und Diskriminierung, allgegenwärtig, gleichzeitig dringen sie kaum vor, dringen kaum in uns hinein, denn wenn sie das tatsächlich täten, würden wir sie nicht so einfach hinnehmen, wie es rund herum der Fall zu sein scheint. Die verschiedensten Ausprägungen, von körperlicher, psychischer, verbaler, struktureller Gewalt nehmen wir hin, denn sie trifft viele von uns nur sekundär. Doch dieses hier konstruierte „uns“ und „wir“ steht nicht für einzelne Menschen einer Menge, sondern vielmehr für eine oberflächenpolierte Gesellschaft, die all jene, die dem scheinbar all umfassenden Glamour, der sich in längst bestimmten Parametern mißt, nicht zuträglich sind (an deren Situation aber genau diese Gesellschaft die alleinige Schuld trägt), am liebsten unsichtbar werden lassen möchte - und das gelingt ihr auch recht gut. Läßt diese Masse sich doch lenken, läßt ihr Leben lenken - „Zuschauer in weichen Sesseln, drücken auf Knöpfe“ 1 - Gewalt funktioniert automatisch...

Weder die Mittäterschaft durch Wegschauen noch die vorgeschobene Pflichtentbundenheit durch Hilflosigkeit wollen wir hinnehmen und haben deshalb vorliegende Nummer unter dieses Thema gestellt. Dass es nicht nur uns so geht, bewiesen die zahlreichen, aus unterschiedlichsten Perspektiven formulierten Beiträge, die in der Redaktion eingelangt sind. Eine weiter reichende Auseinandersetzung mit der Thematik, und zwar auf einer Ebene, auf der eine solche tatsächlich und frei von gängigen Maulschlössern möglich ist, scheint also aktuell mehr als an der Zeit zu sein. Diesem Signal folgend ist dies der erste Teil einer Doppelausgabe, die sich beide dem Schwerpunkt „Gewalt und Diskriminierung“ widmen und deren zweiter Teil im Jänner 2006 erscheinen wird.

Gegen die Scheindiskussionen die mehr verschweigen als sie zur Sprache bringen, weil sie ohnehin nur den Knopfdrückern das Wort reden, gegen die zugedröhnte Abstumpfung und vor allem gegen jene Gleichgültigkeit, die der Unmenschlichkeit so unmittelbar den Weg ebnet.

Evelyn Schalk

1 Gioconda Belli: Gegen jede Hoffnung. In: Ich bin Sehnsucht - verkleidet als Frau. München: dtv 2005, S.49

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