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ausreißer - die grazer wandzeitung

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You are here: Home Ausgaben Ausgaben #1-50 3 | Dez 04 stille
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ausgabe #3. lyrik. stefan schmitzer



stille

  

in den zwischenwänden dröhnts und in den räumen ist es still, sagt der wanderer, die lederjacke hat er sich im sonderangebot gekauft, vor jahren, es war herbst, in einem kaff vor glasgow,

verkrebste katzen tanzen rock and roll in den gebäudenischen, sprechen vom fall des ersten tempels, klagen nicht und legen sich zum sterben hin,

man atmet ruhig in den appartements, ordnet die papiere und die ängste, als würde man auf etwas warten, man seufzt, man steht an fenstern, wind, die photographensonne, sagt der wanderer, geht auf,

der augenblick ist pleite, die adern des augenblicks treten hervor, an den stränden warten die kinder auf ihre eltern, der augenblick ist ein junkie auf entzug, ein räuberisches, träumerisches arschloch,

das meer ist pleite und hat nichts mehr zu rauchen, das meer und der augenblick, sagt der wanderer, sind pleite, die photographensonne

und die posen halbwüchsiger unter einem trockenhellen baum, sie sprechen vom fall des ersten tempels, gott ist pleite, unsere freunde sind pleite, und der wanderer verkauft seine alte kamera,
 
in den käffern vor glasgow halten sie prozessionen zu ehren von bonnie prince charlie ab, es treten ihnen die adern hervor, weit und breit gibt es nichts mehr zu rauchen, und die stille schmerzt.

ja, es gibt eine stille,
und ja, sie schmerzt.

im karst bei den strandpromenaden verkauft der wanderer seine alte seele an die erde. mit der kohle holt er seine kamera zurück.

ja, es gibt eine stille,
und ja, sie schmerzt.

Stefan Schmitzer

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