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You are here: Home Ausgaben Ausgaben #1-50 22 | Mai/Juni 08 reflux
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ausgabe #22. reflux. gerald kuhn.

Feministischer Reflux


Gleiche Diskussion, gleicher Lohn
Natürlich sollen Frauen und Männer gleichgestellt werden. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Die lästigen bzw. unsinnigen Diskussionen zum Thema Gleichstellung brauchen nicht mehr geführt zu werden. Und Rollenverteilungen wird es immer geben. Männer können keine Kinder bekommen, die Mutter ist halt wichtig für das Kind. – Stopp! Stopp! Stopp! Solche Phrasen sind mittlerweile auch schon verstärkt von linksliberal eingestellten Menschen zu hören, egal ob von Männern oder Frauen.
Wie soll aber Gleichberechtigung bzw. gleicher Lohn erreicht werden, wenn nicht bei grundsätzlichen Dingen begonnen wird?
Stereotypen zertrümmern
Es müssen zuerst einmal die im Gehirn festgesetzten Bilder aufgeweicht bzw. zertrümmert werden. In Schul- und Kinderbüchern werden noch immer Stereotypen von Frauen und Männern reproduziert. Kinder sehen das, lernen es und verinnerlichen dies letztendlich. Selbst wenn die Eltern hier gegensteuern, ist das zu wenig, da viele andere Vorbilder sich bestens stereotyp verhalten.
Frauen finden sich nach wie vor hauptsächlich in klassischen Berufsbildern wieder: im Einzelhandel, Sozial- und Erziehungsberufe. Das sind gleichzeitig jene Bereiche, die entweder sehr schlecht bezahlt sind bzw. wo wie im Sozialbereich viele Dinge ehrenamtlich erledigt werden. An Stellen in diesen Bereichen, die sehr gut bezahlt sind (Lehrtätigkeiten an Gymnasien oder an Hochschulen), arbeiten hingegen auch gleich wesentlich mehr Männer.

Baby-Pause
Es folgt eine Berufsunterbrechung durch eine Geburt. Wer bleibt zu Hause? Die Frau. Wenn sie wieder einsteigt, sind Männer in der Zwischenzeit schon wieder ein paar Gehaltsvorrückungen  weiter oder Frauen beginnen in einem neuen Unternehmen in der ersten Gehaltsstufe. Fördersysteme wie in Skandinavien, wo auch viele Männer (in Schweden sind es an die 30 Prozent) in Karenz gehen, sind in Österreich Utopie.
Zurück zu den Schulbüchern
In den Lehrmaterialien werden – bewusst oder unbewusst sei mal beiseite gelassen –  weiterhin vorwiegend  konservative Bilder vermittelt. Wieso muss zum Beispiel die Zeitenbildung in Englisch noch immer mit Stereotypen wie „Während die Mutter in der Küche das Essen kochte, las der Vater im Wohnzimmer die Zeitung“ geübt werden? Dem Kind wird hier klar vermittelt: Mutter > Küche, Vater > Information, Politik, Öffentlichkeit.
In Mathematikbeispielen kauft die Frau Mama Gemüse, Obst ein, der Mann verkauft sein Auto erfolgreich beim Händler. Kleidung, Schuhe werden sowieso nur von Frauen gekauft. Und wer nimmt 15 Prozent des ursprünglichen Gewichts ab? Ja, eine Frau – wer denn sonst? Blättert mal die unterschiedlichsten Schulbücher durch! Viele Dinge fallen uns gar nicht auf, weil sie sich schon so sehr in unseren Köpfen festgesetzt haben.
Mitgemeint
Die Grammatik meint bzw. schließt Frauen immer brav mit ein. Bei 99 Frauen und einem Mann wird nach der deutschen Sprachregel die männliche Endung, also jene die alle mitmeint, verwendet. Sind aber 100 Frauen anwesend, müssen wir die weibliche verwenden, um, zynisch gesagt, darauf hinzuweisen, dass kein Mann dabei ist. Viele Menschen finden es noch immer unangebracht, das grosse „I” in Hauptwörtern (z.B. SchülerInnen, ArbeiterInnen…) zu verwenden, um auf die Präsenz von Frauen aufmerksam zu machen. Neuere Schreibweisen verwenden mittlerweile ein „underline“ (z.B. Schüler_innen, Arbeiter_innen…). Das Sichtbarmachen und das Verändern von Stereotypen steht jedoch bei all diesen Varianten im Vordergrund.
Solange es für uns nicht völlig selbstverständlich ist (und nicht nur sein soll!), dass Frauen hohe Positionen in Staat, Wirtschaft und Medien besetzen und andererseits Männer bezahlte oder unbezahlte Kindererziehungs- und Reinigungsarbeiten sowie verstärkt unbezahlte Hausarbeit übernehmen, wird es auch keine Angleichung bei den Gehältern geben. Stereotypen brechen heißt, dass sich auch Männer verpflichtet fühlen, unbezahlte Tätigkeiten zu verrichten, parallel dazu Teile der gut bezahlten Arbeiten zu Frauen umgeschichtet werden und somit bei den Löhnen und Gehältern zu mehr Gerechtigkeit führt...


Gerald Kuhn

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