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ausgabe #24. prosa. ralf b. korte.

entziehungen

wer nicht kotzt, läuft nicht am limit !!!
[t-shirt-aufdruck eines beteiligten am zugspitz-extremlauf, bei dem 2 läufer an unterkühlung starben]


einer generation zugehörig, der man im satirischen rückblick gern vorwirft sie sei problembeziehungssüchtig, geradezu versessen aufs ausufernde beziehungsgespräch dem unterstellt werden kann es repräsentiere die beziehung selbst, oder substituiere sie, sei somit wenig mehr als verdoppelter narzissmus am anderen, gegen den sich die problemlöserei als wand errichten lässt, nicht zu überwindende eigernordwand sogenannter selbsterkenntnis, arbeit am selbst oder welche namen sonst dafür in umlauf sind, im dienste der beziehungsfähigkeit dabei zusehr mit der ersten stufe einer theoretischen mehrstufenbeziehungsrakete verbrennend,

[einer generation zugehörig, in deren pubertärem zweitspracherwerb sich noch vokabeln wie ‚rakete‘ als bezeichnung für personen mit herausragenden fähigkeiten finden, late-entry space-agers…]


kaum je zweite oder dritte stufen zünden könnend, dafür immer weitere beschäftigungen mit einem ausgebrannten, schon als leergut zur erde zurückfallenden selbst, von dem man am ende nicht sicher sein konnte ob es sich überhaupt um das eigene handle, eine doppelwandigkeit der abschirmung nach sich ziehend wie sie für öltanker zum beispiel inzwischen vorgeschrieben wird wenn sie komplizierte passagen durchfahren, bei den beziehern jedoch angewandt bis zum rand vollständiger beziehungsunfähigkeit beim versuch, eine zu sich selbst zu gewinnen, während die zweit- und drittstufen der gemeinsamkeit über den köpfen antriebslos hängenbleiben, die reisen durch die galaxien & utopien nie antreten werden, allenfalls ornament abgeben dürfen in kapitulationskammern, in kollateralfolge kopulativer teilerfolge zwei halbe, schwebende raketen als mobile über die wiege gehängt vielleicht, so immerhin sinn stiftend wenn auch die selbste nie abheben konnten, vielleicht kanns ja das kleine, mit hoffnungen zwischen denen und der realität die erdanziehung steht, in der doppelwandigkeit dieser alternden generation die der jugendlichkeit der älteren nichts mehr entgegensetzen weiss als wochenendheilkurse oder ostasienreisen, die der selbstbesoffenheit der jüngeren allenfalls nachturnt nach noten, jedenfalls abgeschirmt vor und im eigenen selbst nichtmal sicher wer man eigentlich sei, jedoch in gesprächen ebendem auf den grund zu gehen bemüht und dabei stets in den untiefen der oberfläche versinkend, diese vollständig ausdifferenzierend als weiteren puffer um sich, soviel ungezündete wirklichkeit, aneinander gebunden und auf sich fixiert, also süchtig, immerzu palavernmüssend und das gespräch substituierend, dabei nichtmal ersetzend vielleicht, nur weil am rande der autobahnen in der eigenen kindheit die ich-bin-zwei-öltanks-kugeln in den wiesen standen als kaufanreiz für die häuslebauer, deren sorge um die eigene sicherheit im satirischen rückblick so gern beschrieben wird, als vorstufe späteren problembewusstseins mal gelobt, mal denunziert.

von beziehungen zu sprechen, deren scheitern man erfolgreich betrieb oder von deren gelingen man beunruhigt genug war sie zu beenden, im zweifelsfall gar nicht entstehen zu lassen, sollte man lassen, sollte man meinen.

wäre da nicht das gefühl dass sich etwas verändert hat, dass vielleicht nach einer generation die im anderswollen blieb wie sie war, dazwischen & dabei wenn auch spät, eine kommt der satirischer rückblick vorwerfen könnte, sie sei vermeidungssüchtig, also beziehungslos oder, im kundenbetreuerjargon, unproblematisch, geradezu versessen auf normerfüllung. wäre immerhin möglich festzustellen, dass die neue form von beziehung geprägt ist von der unfähigkeit sie zu beenden, also beziehungen aufgenommen werden für den fall ihres scheiterns, irgendwie so dabei, insofern jede form des beziehens stets relativ, in relation zum eigenen weiter, so wie so substituierbar ist oder nur repräsentiert, was nicht ist, für den moment. die indienstnahme aller verhältnisse zugunsten eines selbst, von dem sowenig wie je klarheit besteht was es sei, zeigt sich im betreiben von netzwerken, deren beziehung zur sache ungefähr so intensiv ist wie die des problembeziehers zum anderen, also erneut selbste bedient die sich freilich nicht mehr in subjektiven, sondern objektivierbaren ökonomien organisieren, aufgehoben im schwarm anderer eintagsfliegen um abhub bemüht, sei es auch nur von eröffneten konten, zur not auch symbolischen für eine weile. die spezifische unfähigkeit dieser generation, einander überhaupt zuzumuten was ist nämlich differenz, führt zu verhalten wie abbruch von kommunikation im konfliktdetail zugunsten ihrer aufrechterhaltung im sympathetischen simulieren eines erhofften ganzen, ein verschweigen das erlaubt einfach so weiterzumachen mit sich, um zu funkeln wie silvesterfeuerwerk, alle paar augenblicke neue sterne am himmel in neuen farben & formen und dieses staunen dann, schau das sind wir wie wir glänzen, uns gabs noch nie. einer zur GENERATION© degenerierten generation mag es sonderbar erscheinen dass welche davor keinen wirbegriff kannten, oder wenn dann schon wussten in wessen interesse der von aussen verwendet wird, für marktanalysen oder konsumentenschichtspezifische fassaden des politischen, an denen nur die dümmsten oder gerissensten sich damals beteiligten, deren gerissenheit oder dummheit heute jedoch auszureichen scheint eine nachrückende generation an sich selbst zu ersticken, die nichts mehr fürchtet oder langweiliger findet als den gegensatz, nichts weniger kann als allein zu sein, mit nichts leichter zu vernichten ist als mit dem gefühl, nicht geliebt und gewollt zu werden möglichst von allen, an sich selbst zu ersticken mit angeboten zu sich zu kommen, und damit weiter. ein heimspiel für fremde interessen, das die allmählichen affirmationen nicht nur überbietet sondern ersetzt, mit negationsecken die wie lecksteine am käfigrand montiert sind, auffällig genug dass sie zuverlässig in die falle locken, auf die man sich dann bezieht, als sogenannte wirklichkeit in & mit der man zu leben hätte. so eingesperrt, und sich in der falle noch netze wirkend um unter sich zu bleiben, bleibt für naturgemäss keine zeit. was, gemessen an der gehabten erfahrung damit, immerhin kein unglück ist…

Ralf B. Korte

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