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ausgabe #90. statement. maria leitner

Sicherheit

Maria Leitner, Facharbeiterin, Alleinerzieherin


Ich möchte morgens aufstehen, ohne Kopfschmerzen und die Sorge, dass die 24 Stunden des Tages und die Kraft nicht reichen, um zehn Stunden durchzuarbeiten, zuhause Kinder und Eltern zu versorgen und nicht das komplette Chaos ausbrechen zu lassen. Ich möchte einmal aufstehen und nicht nachdenken, ob das Gehalt aus zweieinhalb Jobs bis zum Ende des Monats reicht, ob ich ein Antragsformular für einen minimalen Zuschuss irgendwo übersehen habe, ob alle Rechnungen bezahlt sind, ob die Alimente pünktlich am Konto landen, ob ich ein Angebot für Bio-Lebensmittel im Supermarkt verpasst habe, damit zu Hause was einigermaßen Gesundes gegessen werden kann, ob ich es schaffe, irgendwann zwischendurch rasch zum Arzt zu gehen und dort keine drei Stunden auf eine Routineuntersuchung zu warten. Ob es zuhause einigermaßen aussieht, damit die Kids sich nicht genieren, wenn sie Besuch von ihren Freunden bekommen, ob die Heizung funktioniert, es wird nachts schon kalt, ob der Boiler noch durchhält, für einen neuen ist grad wirklich kein Geld da, ob ich meine Überstunden endlich ausbezahlt bekomme, der schwindlige Vertrag im Zweitjob ist sicher nicht wasserdicht, ob ich irgendwann ein Pensionskonto habe, auf dem was anderes als Altersarmut steht, ob meine Tochter nächstes Jahr an der Uni durchhält, als Arbeiterkind, ob ich ihr und ihrem Bruder zuwenig mitgeben kann, zuwenig Zeit, Geld, Wissen. Ich möchte einmal morgens aufwachen und mich nicht fragen, ob es reicht. Ich möchte einmal die Sicherheit spüren, dass es so ist.

 

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