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ausgabe #80. bericht. evelyn schalk

greek diary

empathie statt boulevard


Die Balkanroute – das klingt wie eine Reisestrecke, die man benutzt oder eben nicht, auf die man sich begibt oder eben eine andere wählt. Eine Reise, die man macht oder sein lässt, ein Hotel, das man bewohnt oder wechselt, wie einem der Sinn steht. Sie schließen hört sich an, als würde ein Leck abgedichtet, damit es nicht weiter herein regnet. Eine grausame Diktion. Menschen und ihre Schicksale werden ausgeblendet, Leid verharmlost, Flucht zum naturgegebenen Zustand der Gleichgültigkeit enthumanisiert – kein Gesicht, kein Leben, kein Mitgefühl. Höchstens Kulisse in einem angsteinflößenden Film, dessen ProtagonistInnen man auf Knopfdruck abschalten und hinter sich lassen kann. Heinz Trenczak geht den Weg in die entgegengesetzte Richtung. Entlang eben jener Strecke, die für alle Leiden, für einige die Rettung und deren Blockade für Ungezählte den Tod bedeutet.


foto

Foto: Clément Martz


Trenczak trifft Menschen dort, wohin sie gezwungen werden, in Flüchtlingslagern in Serbien und Griechenland, auf der Straße, unter Brücken, am Strand. Er sieht Kindern beim Aufwachsen in Baracken von Militärcamps zu, beim improvisierten Musikunterricht, beim Spiel zwischen den Zelten. Er filmt HelferInnen bei der Krankenversorgung und begleitet Geflüchtete und AktivistInnen durch einen Alltag, der für niemanden einer sein dürfte, es aber trotzdem geworden ist und bleibt – solange die Menschen bleiben können, dürfen, müssen. Immer an der Grenze, des Weiterlebens, des Ertragens, des Durchhaltens, des Überlebens. Trenczak und sein Team schreiben mit „Greek Diary“ ein filmisches Reisetagebuch, das nur im Titel bitter an einen Urlaubsausflug erinnert, stattdessen aber die Lebensrealität geflüchteter Menschen und ihrer UnterstüzterInnen dokumentiert, indem er sie selbst zu Wort kommen lässt. Heinz Trenczak ist schlichtweg da. Auf Augenhöhe.    


Evelyn Schalk


Die Dreharbeiten sind abgeschlossen, für die Postproduktion, also die Fertigstellung des Films, wird noch bis 16. April per Crowdfunding Geld gesammelt:
www.gemeinwohlprojekte.at/projekte-unterstuetzen/details/projekt/47

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