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ausgabe #61. kommentar. maximilian h. tonsern

unrund

Gedanken über Zuschreibungen, Generalverdacht und elementare Pädagogik

 

Ich fühle mich unrund. da sitzen die alle beisammen und diskutieren um mich und alle anderen meiner art, deren es doch so wenige gibt. wir, die minderheit. sie diskutieren über unsere köpfe hinweg und sehen dabei nicht, dass sie keineswegs unsere bedürfnisse respektieren, wahr­nehmen. sie diskutieren über die zukunft der elementarpädagogischen berufe und lassen uns einfach so, frech und ignorant, außer acht. derweil habe ich, haben wir ganz andere sichtweisen auf den stand der dinge. gehen wir ganz anders um mit kindern. nehmen sie durchaus anders wahr, spielen anders mit ihnen, gehen anders und unterschiedlich auf ihre bedürfnisse ein. da kann man nicht einfach sagen, dass wir alle gleich sind. da geht das nicht, dass die über unsere einwände und gedanken hinweg dinge entscheiden und vorhaben propagieren. wir wollen doch auch gehört werden. wir sind ebenfalls kindergartenpädagoginnen verdammt, wir haben die gleiche ausbildung, gleich viel gelernt, wissen um wertvolle pädagogische arbeit bescheid. nur weil wir eine minderheit sind wollen wir nicht ausgegrenzt werden. hört uns doch. wir stehen auf und schreien. ich stehe. sie sehen mich an und sprechen dann über den generalverdacht. dass wir kindergartenpädagoginnen doch eh alle so sind. ihr wisst schon wie. dass kann doch keine richtige frau sein. mutet doch etwas seltsam an, oder? gib es zu, du hattest gerade gedacht, dass es seltsam ist, wenn wir kindergartenpädagoginnen mit den kindern auf die toilette gehen. oder gar die windel wechseln. das ist doch nicht richtig. sie plappern durcheinander. jetzt gelingt ihnen das auseinanderhalten. jetzt differenzieren sie. sprechen uns pädagoginnen konkret an. wir sind doch sicher alle homosexuell. na stell dir doch vor, wir pädagoginnen kuscheln mit kindern, weil die nähe und schutz suchen. da ist doch etwas faul. sie alle reden wirr durcheinander, stimmen überschlagen sich. ich setze mich. wir setzen uns alle. wir wollten doch nur als wir bezeichnet werden. nicht mitgemeint werden. nicht sowas, ewigen vorurteile, klammheimlicher dolch in unserem rücken. wir sind doch kindergartenpädagoginnen verdammt. wie ihr.      

 


Maximilian H. Tonsern

 

 

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